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Fairness

Stephan Kalhamer · 2026-10-13 09:50

Die Pokerwelt stammt nicht nur irgendwie aus dem Wilden Westen, sie lebt bis heute den Wilden Westen.
Wer ist gut? Was ist gut? Wer führt welche (Welt)rangliste an? - Woran glaubt man?

Recht bekannt ist die traditionelle live Turnierpoker site Hendonmob. Dort werden Spieler nach ihren „winnings“ gelistet. Problem dabei war schon immer, dass diese Leistungsbilanz allein auf die Aktivaseite abzielt. ;-)
Du willst ein Millionengewinner im Poker sein? „Investiere" das Doppelte und du wirst zumindest die Hälfte sicher als „earnings“ oder gar „winnings“ verbucht bekommen. ;-)

Natürlich ist sowas Murks. Aber absolut normal. Im Wilden Westen. Bei der Geldwäsche oder in anderen ähnlich veranlagten Branchen.
Wie oft wird aber auch an der WallStreet oder bei StartUps nur auf die Chance, kaum jedoch aufs Risiko geschielt!
Sehr vieles, auch gemeinhin als sehr seriös Betrachtetes, hat krass Schlagseite, wenn man versucht, es balanced (und damit sowas wie fair) zu betrachten.

Gehen wir ganz runter und blicken auf kleine Pokercommunities: Clubs, Vereine, Gemeinschaften, die sich regelmäßig treffen und miteinander pokern.
Auch dort wird oft mit Rankings gearbeitet, die allein die Positivseite einer spielerischen Leistung betrachten.

Das macht schon Sinn. Leider. Denn die nackte Wahrheit ist einfach unattraktiv. Ein regelmäßiger Spieler WILL seine Erfolge sehen. Er will NICHT wissen, was er dafür eingesetzt hat.
Und jeder Anbieter WILL seine regelmäßigen Stammgäste belohnen, sie motiviert sehen. Er will NICHT, dass knausrige, seltene Besucher es in die Rankings des Hauses schaffen.
Win Win also: Stammgast und Wirt beschließen sich gegenseitig zu feiern und schwupps fällt die Aufwandseite eines offiziellen „Gewinners“ hinten runter.
Wer 3x100 investiert und dabei 1x400 gewinnt ist im Ranking hinter jemanden, der 10x100 einsetzt und es damit 2x auf 400 Gewinn bringt!

Genauer betrachtet ist es sogar ein Win Win Win, denn auch der „Knauserer“ will ja gar nicht wirklich publik gewusst, dass er in Wahrheit der Gewinner ist.
Es ist auch ihm recht, dass er unterm Radar bleibt, während die 800 (2x400) „Gewinn“ des Stammgastes fröhlich zahlend bleiben…

Auch dieses Bild lässt sich sehr weit in große Spiele wie Wirtschaft oder Politik übertragen.
Es erstaunt wie viel winners bias, reine Ergebnisgläubigkeit und kurzfristiges Nachsteuern an Stellen herrschen, wo Weitblick, Prozessorientierung sowie ganzheitliche Werte zu (be)stehen hätten.

Ehrlicherweise bestehen Luftschlösser, bubbles oder aufgrund vergangener Leistung weiters besetzte Posten eben nur dann fort, wenn die Etablierten sich gegenseitig stützen, gekünstelte Win-Wins schaffen und somit ihr Rad am Laufen halten.

Deswegen führt kein Casino ein Ranking auf Basis einer absoluten Leistungsbilanz und ich will gar nicht aussprechen, wer sonst aller nicht - und wo und warum.

Zahler zocken - Könner kalkulieren
Stephan Kalhamer

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