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Mathe am Pokertisch für Kinder

Stephan Kalhamer · 2026-10-23 08:15

Für die Stadt Köln mache ich das nun ehrenamtlich im 4. Jahr im Rahmen derer MINT Tage.

Es gibt aus Skepsis. Poker? Ist das nicht Glücksspiel? Ein Casino-Game?

Poker ist, was man draus macht.

Man kann an den Pokertischen dieser Welt so fundiert entscheiden, dass das Glück keinen Raum mehr hat. Dafür braucht es Disziplin, Wissen und einfach Zeit, damit sich die Wogen temporärer Läufe glätten, das Gesetz der großen Zahlen wirken kann und man nach Entscheidungsqualität sprich nach jeweiligen Erwartungswerten wirtschaftet.

Verkürzt formuliert: Selbst wenn ich einfach würfelte, also es kein Geschick gäbe, so wüsste ich zwar nie was ich konkret würfle, sehr wohl aber, dass ich nach vielen Würfen alle Zahlen in etwa gleichermaßen mal bedient hätte. Gelingt es mir also im Pokersport in meinen glücklichen Momenten mehr zu gewinnen (z.B. über clevere Einsätze) als ich in unglücklichen verliere, so gewinne ich am Pokertisch nachhaltig.

Heute will ich aber gar nicht so sehr viel über skill in the game sprechen, mehr über Politik und Haltung. Poker ist nur traditionell im Casino verankert, sein Naturell als Spiel ist kein Casinospiel.

Jedes Casinospiel hat als Gegner das Haus: Gewinne ich, zahlt mich das Casino, verliere ich, profitiert das Casino direkt. Immer spielt man recht entscheidungsarm gegen ein unschlagbares mathematisches System, also unter negativer Erwartung. Am einfachsten sieht man das am Roulettetisch. Hier wird jeder Gewinn so multipliziert, dass man auf 36 als Ergebnis kommt. Es gibt aber 37 gleiche slots im wheel, wohin die Kugel fallen kann. Somit gewinnt das Haus nach Erwartung 1/37 des Umsatzes im Mittel. Punkt.

Am Pokertisch aber hat das Haus eine andere Rolle. Es stellt allein die Spielstätte bereit, sorgt für Regelsicherheit, fungiert also nicht wie ein Casino, sondern wie ähnlich dem Betreiber einer Tennishalle: Das Geschäft ist die Platzmiete, nicht der Verlust eines Spielers! Wenn ich am Pokertisch verliere, gewinnt das Casino nicht, sondern mein Gegner hat mein Geld (abzüglich der prozentualen „Platzmiete“). Somit ist klar, dass schon im Grundsatz Poker anders betrachtet werden kann, als Bankspiele wie Black Jack, Craps oder auch Spielautomaten.

Muss man es anders betrachten? Nein, natürlich nicht. Aber man kann und darf!

Im Deutschen Poker Sportbund etwa, den ich vor ca. 20 Jahren gegründet habe und dem ich ca. 15 Jahre als Vorstand voranstand, spielen wir in Sportligen gänzlich ohne Einsatz.
Um Punkte. Wertungen. Rankings. Sport eben. Wettkampf pur. Wie Basketball. Und Schach.

Ähnlich offen verhält es sich auch mit der Betrachtung meiner Wissenschaft, der Mathematik.

Man muss sie nicht lieben, aber man kann das (lernen). Und dafür stehe ich als Mathematikbotschafter.
Niemand muss Angst vor etwas so Schönem und Verlässlichem haben wie der Sprache der Logik.
Sie ist ein viel besserer Freund, gibt viel mehr Halt als Willkür oder Unwissenheit.

Es sollten viel mehr Menschen viel öfter die Augen aufmachen und fair hinsehen, was im Kern geschieht.
Das würde die Welt um einiges besser machen, man liefe weniger plumpen Fantasien fanatisch nach.

Zahler zocken - Könner kalkulieren
Stephan Kalhamer

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